
Wenn es im echten Leben zu mühsam wird, all das soziale Gehabe zu handhaben, legt man sich als moderner selbstbewusster Mensch neuerdings ein selbstverständlich faltenfreies Profil in einem der neuen Social-Networks zu. Ein neues Zeitalter ist angebrochen. Das Zeitalter des selbstbewussten Social-Networkers. Dabei muss man nur vortäuschen, dass man ein strahlendes Leben hat, wie himmlisch, wer braucht da noch das normale Leben, wo eh nix funktioniert wie man es dringend bräuchte, wenn man dabei auch noch als sozialer Mensch gilt!?
In jenem Zeitalter dieser hypermodernen selbstverständlich sehr gewichtigen Social-Networker fällt auf, dass immer mehr Sozial-Prominente und Sozial-Stars geboren werden, die rund um sich kleine und große Fangemeinden pflegen und sich von diesen auch ordentlich huldigen lassen. Und das funktioniert hier einwandfrei. Social-Network-Spione haben sogar festgestellt, dass es eine sehr soziale Arbeitsteilung unter den Untergebenen der Sozial-Stars und Prominenten gibt und das alles funktioniert sogar ohne Bezahlung wie am Schnürchen. Aber wer will denn bezahlt werden, doch nicht diese sozialen Wesen. Da wird gepostet und gehuldigt, geworben und mit Herzen und Blumenbildern oder Smileys nur so um sich geworfen, ganz zu schweigen von unzähligen Lobeshymnen und ritterlichen Dankesreden für heldenhafte Taten der gehuldigten Vips im Netz.
Dann gibt es den Social-Entblätterer, ein anderes wichtiges Mitglied in der sozialen Netz-Gesellschaft. Er entblättert sich pausenlos. Jede wertvolle Minute seines Lebens teilt er gnadenlos mit, was er kocht, was er denkt, werkt und wichtig wie viel und selbstverständlich was ihm besonders am Herzen liegt, was er fühlt. Ja er weidet sich regelrecht aus für seine Freunde und Bekannten und davon hat er wahrlich genug. Treue Ergebene, die ihm ständig zur Seite stehen, beratend und ihre eigenen Erfahrungen mitteilend, sodass meist jede Gefühlsepisode des Betreffenden ohne jeden Zweifel ein glückliches Ende haben muss. Dabei macht er seine Freunde so glücklich, wenn er selbst auch wieder glücklich ist und sie die Freunde werden umso glücklicher, je mehr er von sich preisgibt und sie von sich preisgeben dürfen. Das ist wie bei einer echten Blutsbruderschaft nur das es hier natürlich nicht blutig zugeht, wir sprechen von reinen Gefühlen dieser sozialen Wesen.
Dann kennt man weiters den Sozial-Workaholic. Er hat es hier unter den sozialen Hedonisten besonders schwer. Denn er arbeitet wirklich und das ohne Ende. Er ist ständig am erarbeiten neuer Projekte und Events die der dann ununterbrochen im Social-Network bewerben muss. Link um Link klettert er die soziale Karriere-Leiter nach oben. Dabei bekommt er gehörigen Applaus von seinen Anhängerschaften, Mitarbeitern und Freunden. Neidvoll kommentieren diese seine neuesten Projekte und wundern sich nur wann dieser wahre Network-Held schläft.
So vergeht die Zeit und davon fließt reichlich, nur dass hier ein jeder Mensch seiner wahren Bestimmung folgt und das ohne jemals zu scheitern. Freunde und dadurch Aufmerksamkeit hat man genug und wer kein Freund ist und unbequem wird, kann jeder Zeit weggeklickt oder gar blockiert werden, so dass er keinen größeren Schaden anrichten kann. Wahrheit über sich selbst oder das Leben, wer will sie und womöglich tut diese auch noch weh. Das richtige Leben ist doch zu hart und unsozial.
Hut ab vor dieser neugeborenen glücklichen sozialen und sich gegenseitig so liebenden Gesellschaft!
Pat Ausweger - so kann es sein muss aber nicht, das sollte ich noch hinzufügen!